Alzheimer-Versorgung mangelhaft

Deutsche Alzheimer-Patienten oft vernachlässigt

 Nicht optimal versorgt: Alzheimer-Patienten in Deutschland.
Stefanie Grutsch Nicht optimal versorgt: Alzheimer-Patienten in Deutschland.

Weil die Deutschen immer älter werden, ist die Krankheit hierzulande auf dem Vormarsch: Alzheimer. Derzeit sind rund eine halbe Million Menschen betroffen, bis zum Jahr 2050 wird sich die Zahl vermutl


Weil die Deutschen immer älter werden, ist die Krankheit hierzulande auf dem Vormarsch: Alzheimer. Derzeit sind rund eine halbe Million Menschen betroffen, bis zum Jahr 2050 wird sich die Zahl vermutlich verdoppeln. Doch an der Betreuung der Betroffenen hapert es schon jetzt: Eine aktuelle Studie gibt zu denken.
Patienten ohne Medikamente
Die Untersuchung des Universitätsklinikums Marburg mit 400 Patienten ergab, dass weniger als die Hälfte die zur Verfügung stehenden Medikamente gegen Alzheimer erhalten. Diese heilen die Krankheit zwar nicht, können aber ihr Fortschreiten verlangsamen. Außerdem wurden nur etwa zehn Prozent von ihnen mit modernen Untersuchungsverfahren wie neuropsychologischen Tests oder bildgebenden Verfahren untersucht. Die Behandlungskosten sind trotzdem hoch: Sie beliefen sich pro Patient und Jahr auf rund 18.500 Euro, etwa 8.800 Euro davon für Pflegeleistungen.
„Unsere Studie zeigt, dass die modernen Standards der Diagnose und Behandlung, wie sie in den Leitlinien beschrieben sind, nur unzureichend im Betreuungsalltag umgesetzt werden“, sagt Studienleiter Prof. Richard Dodel. Nie zuvor seien die Qualität der Versorgung von Patienten auf verschiedenen Versorgungsebenen wie Kliniken, Pflegeheime, hausärztlicher oder fachärztlicher Betreuung so eingehend untersucht worden.
Leitlinie in Praxis nicht umgesetzt
„Alzheimer-Patienten werden noch immer diskriminiert, weil ihnen die Lobby fehlt“, bestätigt Prof. Günther Deuschl, Direktor der Universitätsneurologie in Kiel, die Ergebnisse. Er selbst hat federführend an der so genannten „S3-Leitlinie Demenz“ gearbeitet, die im vergangenen Herbst von insgesamt 28 Fachorganisationen gemeinsam veröffentlicht wurde. Sie beschreibt, wie Patienten mit Alzheimer optimal behandelt werden sollten. „Doch ohne den politischen Willen werden diese Standards nicht den Weg in die Versorgung finden“, fürchtet Deuschl. Das im Jahr 2009 gegründete Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen mit Hauptsitz in Bonn und 5 Satellitenstandorten soll die Situation verbessern. Die Wissenschaftler hoffen auch auf die Entwicklung einer Impfung gegen Alzheimer, diese liegt allerdings noch in unbestimmter Zukunft.

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